19.03.2020

Die Arbeitswelt der Zukunft

Auf dem Podium diskutierten (von links) Alexandra Moritz (Moderation), David Thieser (Montessori-Schule Trier), Henrik Ekstrand (Creative Mindz), Jeanette Spanier (Moselcopter/Scaffeye) und Ole Seidel (Alta 4 AG). Fotos: Jan Söfjer / Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg.

Professor Jörn Block von der Universität Trier sprach darüber, was Unternehmen bräuchten, um im digitalen Wandel erfolgreich zu sein.

Professorin Katrin Muehlfeld von der Universität Trier sprach darüber, welche Kompetenzen die Arbeitnehmer der Zukunft brauchen.

Durch die Digitalisierung verändert sich die gesamte Arbeitswelt. Eine Veranstaltung des Netzwerkes SchuleWirtschaft Trier ging der Frage nach, was das für Unternehmen, Angestellte und Schüler bedeutet.

Henrik Ekstrand hat gar nicht erst studiert. Direkt nach dem Abitur gründete er mit Freunden  Creative Mindz, eine Agentur, die für Unternehmen Webauftritte erstellt und Social-Media-Kanäle betreut. Dass die Gründer alle so jung sind, sehen sie als Vorteil, weil sie als sogenannte Digital Natives nah an jungen Zielgruppen dran sind und diese authentisch ansprechen können. Das „z“ im Firmennamen steht für die Generation Z. 

In einer Podiumsdiskussion im vollbesetzten Tufa-Saal diskutierte Ekstrand mit anderen die Frage, wie Schulen den Nachwuchs auf das Arbeitsleben in einer zunehmend digitalen Welt vorbereiten können. Denn sowohl Unternehmen als auch Mitarbeiter brauchen bestimmte Fähigkeiten und Ressourcen, um in der Zukunft erfolgreich zu sein. Die Veranstaltung wurde vom Netzwerk SchuleWirtschaft Trier in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Trier ausgerichtet. Es moderierte Alexandra Moritz von der Forschungsstelle Mittelstand der Universität Trier. 

Die Welt sei heute sehr dynamisch, sagte Ekstrand. Das Schulsystem habe sich hingegen in den letzten Jahrzehnten nicht groß verändert. Es gehe nicht nur um Technik, sondern auch um soziale Intelligenz. Jeanette Spanier, die nicht nur Gerüstbaumeisterin ist, sondern auch die Startups Moselcopter und Scaffeye für Gerüstbaumanagement und maßstabsgetreue Vermessungen gegründet hat, sagte: „Wir brauchen junge Menschen, die früh gelernt haben, mit digitalen Medien umzugehen.“ Ole Seidel, Vorstand der Geodatenfirma Alta 4 AG, empfiehlt allen Schülern, programmieren zu lernen. Das müsse man wie eine Fremdsprache sehen. „Heute gibt es für alles ein Youtube-Video“, sagte Seidel. Man brauche nur Raum und Zeit, um sich zu entfalten. Eine ähnliche Haltung vertritt David Thieser, Vorstand der Freien Montessori-Schule Trier. Es sei schön, wenn eine Schule neue Computer oder iPads anschaffe, aber die personelle Ausstattung sei viel wichtiger. Lehrer sollten zudem mehr Lernbegleiter als Stoffvermittler sein. „Die meisten Schüler wollen von alleine lernen“, sagte Thieser. 

Dem widersprach ein Lehrer aus dem Publikum, der es schade fand, dass kein Lehrer auf dem Podium saß. Eine andere Lehrerin im Publikum – die Veranstaltung war als Lehrerfortbildung anerkannt – sagte, es sei schon viel in Schulen passiert, aber dennoch gehe alles zu langsam. „Wir müssen die Schüler jetzt und flächendeckend fit machen. Die Arbeitswelt wartet nicht.“ Jeanette Spanier rief alle Akteure auf, sich nicht gegenseitig Schuld zuzuweisen, sondern aufeinander zugehen.

Professor Jörn Block von der Universität Trier sprach in einem vorhergehenden Vortrag darüber, was die Unternehmen der Zukunft bräuchten. Um im digitalen Wandel erfolgreich zu sein, müsse ein Unternehmen etwa Zugriff auf relevante Daten haben, digitale Produkte entwickeln, mit anderen Firmen kooperieren - und vor allem Chancen erkennen und ergreifen, sagte Block. Es gehe darum, den digitalen Wandel mitzugestalten. Wie Firmen wie Amazon oder Netflix, die eine marktbeherrschende Stellung eingenommen haben. Andere Unternehmen würden sich von ihnen Dinge abschauen, etwa Maschinenbauer, die teure Maschinen nicht mehr verkaufen, sondern in einem Abonnementmodell vermieten. 

Und was brauchen die Arbeitnehmer der Zukunft? Darüber sprach Professorin Katrin Muehlfeld von der Universität Trier, die wie Block zur Forschungsstelle Mittelstand gehört. Neben Digitalkompetenzen gehöre dazu, offen für Neues zu sein, Eigenverantwortung zu zeigen und die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren. „Es wird immer wichtiger, immer weiter zu lernen“, sagte Muehlfeld. Auch, weil immer mehr Berufe automatisiert werden können. Eine Studie der Universität Oxford kam bereits 2013 zu dem Schluss, dass in den kommenden zwei Jahrzehnten fast jeder zweite Job in den USA von der Automatisierung und Digitalisierung bedroht sei. Dazu zählen nicht nur Berufe in der Industrie, sondern auch in der Logistik, der Verwaltung und dem Dienstleistungssektor. Recht zukunftssicher seien alle Tätigkeiten, in denen es kreative und soziale Intelligenz brauche sowie die Fähigkeit, eigenständig Probleme zu lösen – wie etwa in der Bildung, der Wissenschaft, der Pflege oder in den Medien.

Die Veranstaltung wurde durch die Ausstellung „Die Zukunft in Schule und Beruf“ abgerundet, die an 18 Stationen Perspektiven der Bildung und Arbeit zeigt.


 

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