02.12.2019

Wenn die Gesundheit Chefsache ist

Die Gewinner des Gesundheitspreises. Fotos: Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg

Kreishandwerksmeister Gerd Benzmüller sagte: „Ein beruflicher Abschluss muss sich nicht hinter einem Bachelor- oder einem Master-Abschluss verstecken.“

Die Ausbildungsbotschafter machen an Schulen Werbung für das Handwerk.

Die Staatssekretärin aus dem rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium Daniela Schmitt.

Der Sonderpreis in Form einer Sprossenwippe für die Katholische Kita gGmbH.

Beim Jahresempfang der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg wurden 52 Ausbildungsbotschafter des Handwerks geehrt und Firmen ausgezeichnet, die sich um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern.

Kürzlich hatte Kreishandwerksmeister Gerd Benzmüller eine Delegation aus Brasilien in seinen Elektro-Betrieb nach Saarburg eingeladen. Die Gäste staunten, dass in Deutschland Betriebe ihren Auszubildenden ein volles Monatsgehalt zahlen würden, obwohl sie auch Zeit in der Berufsschule verbringen würden. „Die duale Berufsausbildung genießt weltweite Anerkennung“, sagte Benzmüller beim Jahresempfang der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg im Tagungszentrum der Industrie- und Handelskammer Trier. Sorgen bereitet Benzmüller jedoch „die zunehmenden Schwierigkeiten bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen“. Alleine im Kammerbezirk Trier gab es ein Minus von 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Laut Bundesagentur für Arbeit fehlten deutschlandweit 160.000 Fachkräfte im Handwerk und Benzmüller schätzt, dass es noch weit mehr sind. Diesem Negativtrend gelte es entgegensteuern. 

Eine Ursache für die sinkenden Zahlen sieht der Kreishandwerksmeister auch im „Akademisierungswahn“. „Ein beruflicher Abschluss muss sich nicht hinter einem Bachelor- oder einem Master-Abschluss verstecken. Hoch qualifizierte Fachkräfte sind der Motor der Deutschen Wirtschaft. Nur durch die Leistung seiner Fachkräfte bleibt sie, bleibt das Handwerk national und grenzüberschreitend wettbewerbsfähig.“

Das sieht auch die Staatssekretärin aus dem rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium, Daniela Schmitt, so. „Das Handwerk ist das Herzstück des wirtschaftlichen Erfolgs in Rheinland-Pfalz. Betriebe, die ausbilden leisten einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Der Erfolg wäre allerdings, so Schmitt, nicht denkbar ohne das Innungswesen, den Ehrenamtsträgern und den Kreishandwerkerschaften.“ Besonders begrüßte Schmitt das Konzept der Ausbildungsbotschafter. „Niemand kann authentischer für das Handwerk werben, als Handwerker selbst.“

Vor zehn Jahren hat die Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg die ersten Kooperationsvereinbarungen mit Realschulen plus getroffen und mit Leben gefüllt, etwa mit Berufsinfomessen, Workshops und Meisterbesuchen im Unterricht. Der erste Ausbildungsbotschafter war Helmut Schröer, ehemaliger Oberbürgermeister von Trier. Früher, erinnert er sich, habe es nicht genügend Lehrstellen gegeben, heute gebe es nicht genügend Auszubildende. Mittlerweile habe die Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg mit sämtlichen Realschulen plus und allen Integrierten Gesamtschulen im Kreis Kooperationsverträge. Zukünftig sollen auch Gymnasien hinzukommen. Sehr erfolgreich sei etwa die Berufsinfomesse an der Realschule plus in Schweich, bei der dieses Jahr 84 Betriebe mitgemacht hätten, nicht nur aus dem Handwerk. Seit 2011 lobt die Kreishandwerkerschaft das Qualitätssiegel Handwerk aus – für Schulen, die sich bei der Berufsorientierung besonders engagieren. Seit 2013 gibt es dazu auch einen Schülerwettbewerb.

Der Maler- und Lackierermeister, Innungsobermeister und Inhaber des Malerbetriebes L. Kirsch, Michael Eschle, sagt: „Ich habe einen tollen Beruf und mache nichts lieber, als darüber zu sprechen.“ Auch für den Elektronikermeister Simon Terres von der Firma Elektro Bloeck ist es „eine Herzenssache“, sein Handwerk in Klassen zu präsentieren. Bärbel Schädlich, Hauptgeschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg, ist stolz auf das „tolle Engagement der Ausbildungsbotschafter, die sich einem hohen Maße ehrenamtlich für unser Schulprojekt einbringen“. Deswegen wurden beim Jahresempfang 52 Ausbildungsbotschafter aus dem Handwerk für ihre Arbeit geehrt.  

Firmen mit Gesundheitspreis ausgezeichnet

Ausgezeichnet wurden auch Betriebe, die sich besonders in der betrieblichen Gesundheitsförderung engagieren. Den ersten Platz erreichte die Firma Flach Bad und Heizung aus Schweich. Zwei Dinge beeindruckte die Jury. Zum einen fragt die Firmenleitung die Mitarbeiter regelmäßig, was sie gerne unternehmen würden. Zuletzt wurde so ein Tanzkurs angeboten. Zum anderen bekommt jeder Auszubildende einen Mentor an die Seite, der ihn nicht nur in beruflichen Fragen berät, sondern auch zu Themen wie Suchtverhalten, Mediennutzung und Bewegung. Das Preisgeld in Höhe von 2000 Euro möchte Firmenchef Günter Späder verwenden, um den Sozialraum in eine „Wohlfühloase“ umzuwandeln.

Jörg Loth ist Vorstand der Innungskrankenkasse IKK Südwest, welche den Gesundheitspreis gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg ausgeschrieben hat. Er sagt, Arbeitnehmer müssten heute länger arbeiten als früher. Mitarbeiter müssten daher auch länger gesund bleiben. Obendrein sei die betriebliche Gesundheitsförderung eine Möglichkeit, als Arbeitgeber attraktiver zu sein und mehr Fachkräfte anzuziehen. „Es läuft aber nur, wenn die Unternehmensleitung dahinter steht. Gesundheit ist Chefsache“, sagte Loth. 

Mit dem zweiten Preis (1500 Euro) wurde die Firma Köhler Straßenbau in Trier ausgezeichnet. Sie bietet für Mitarbeiter etwa Gesundheitstage, Checkups, wöchentliche Rückenfit-Kurse, eine Laufgruppe, Kooperationen mit Fitnessstudios, Nichtraucherseminare, kostenloses Obst und Anti-Stresskurse an. 

Der dritte Preis (1000 Euro) wurde gleich zwei Mal vergeben, da die Jury sich nicht einstimmig für nur ein Unternehmen entscheiden konnte. Zur Freude der beiden Preisträger. Die Firma Scholtes Fliesen & Sanitär aus Trier bietet eine aktive Mittagspause an, Fachvorträge und Schulungen zu Gesundheitsthemen, einen Firmenlauf und alle zwei Jahre einen Gesundheitstag. Ebenfalls ausgezeichnet wurde das Autohaus Werner aus Saarburg, das jedem Mitarbeiter die Gesundheitsapp der Firma Comotion bezahlt. Mit dieser können sich die Mitarbeiter von einem professionellen Coach etwa zu den Themen Sport, Ernährung und Entspannungsmethoden beraten lassen. 

Zwei Innovationspreise (500 Euro) gingen an Fischenich Stuck und Putz aus Ulmen und an die Fleischerei Klassen aus Temmels. Die Firma Fischenich bezahlt jedem Mitarbeiter zwei Mal im Monat einen Besuch beim Physiotherapeuten. Die Fleischerei Klassen bietet jedem Mitarbeiter mit Familie den kostenlosen Besuch im betriebseigenen Fitnessraum und im firmeneigenen Schwimmbad an. 

Einen Sonderpreis in Form einer Sprossenwippe, die temporär in verschiedenen Kindertagesstätten eingesetzt werden kann, gab es für die Katholische Kita gGmbH, Träger von 151 Kindertageseinrichtungen. Der Betrieb beschäftigt eine Beauftragte für betriebliches Gesundheitsmanagement und bietet seinen Mitarbeiter etwa vergünstige Tarife in Fitnessstudios an.


 

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