02.12.2019

„Viele Betriebe wissen nicht, welche Dienstleistungen ihnen entgehen“

Kay Bechara stellte sein Konzept vor, um neue Mitgliederbetriebe für Innungen zu finden. Foto: Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg

Auf der Delegiertentagung der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg hat Kay Bechara ein Angebot präsentiert, mit dem er mehr als 1400 neue Innungsbetriebe gewinnen konnte.

Bärbel Schädlich ist nicht begeistert von den schleichenden Mitgliederverlusten in der Vergangenheit. „Diese Entwicklung ist leider nicht sehr zufriedenstellend“, sagte die Hauptgeschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg. Abhilfe schaffen kann aber offenbar Kay Bechara. 2017 gründete er ein Unternehmen für die Innungsmitglieder-Gewinnung und arbeitet nun für zwölf Kreishandwerkerschaften beziehungsweise Verbände. Mit einem Team von Außendienstlern konnte er bereits mehr als 1400 neue Betriebe für die Innungen gewinnen. Seine Mitarbeiter besuchen Betriebe, die nicht in der Innung sind und bieten kostenlosen Service sowie Beratung an. „Viele Betriebe, die nicht organisiert sind, kennen gar nicht den Unterschied zwischen Innung und Handwerkskammer und wissen nicht, welche Dienstleistungen ihnen entgehen“, erklärte Bechara. Kürzlich sagte ihm ein Tischler, den er dreieinhalb Jahre lang besucht hat: „Sie nerven mich. Ich bekomme immer Leistungen von ihnen – bisher, ohne dafür zu zahlen. Sie haben gute Überzeugungsarbeit geleistet, jetzt trete ich der Innung bei.“ 

Becharas Team arbeitet erst einmal kostenlos – sowohl für die Innungen als auch für die Betriebe, die besucht und beraten werden. Tritt dann ein Innungsmitglied ein, erhält Bechara eine Prämie in Höhe des 1,5-fachen Jahres-Festbeitrages. Kündigt der Betrieb, bevor die Innung diesen Betrag durch Beiträge eingenommen hat, erstattet Bechara die Differenz. „Alle unsere Mitarbeiter kommen aus dem Handwerk und erhalten keine Provision, sondern ein festes Gehalt. Sie müssen nichts verkaufen. Wir bringen die Betriebe näher an die Innung heran, ohne sie gleich zu verpflichten.“ Obendrein bekämen die Innungen Informationen über die besuchten Betriebe. „Wir sehen, was Innungen fehlt oder was sie verschreckt hat.“ Bärbel Schädlich sagte, es gebe kein Risiko bei Becharas Angebot. Die ersten Innungen der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg zeigten bereits Interesse. Bechara pries sein Modell auch an, um wieder mehr Mitglieder für Innungstreffen zu gewinnen und um Nachwuchs im Ehrenamt aufzubauen. Manch ein Jungmeister habe ihm gesagt, er sei seit fünf Jahren nicht mehr bei einem Innungstreffen gewesen und traue sich nun gar nicht mehr hinzugehen. Bei der Friseurinnung in Köln habe es früher 30 bis 35 Anmeldungen für Innungstreffen gegeben. Nun seien es über 200, so Bechara. 

Weniger Auszubildende

Schädlich ging auch auf den Zwischenbericht des Ausbildungsbotschafters Helmut Schröer ein. Der ehemalige Oberbürgermeister von Trier hat diese Position seit 2007 inne und veröffentlichte nun Erfahrungen und Zahlen. „Es wird einem bewusst, wie viel Arbeit und ehrenamtliches Engagement dahintersteckt, um dem Negativtrend sinkender Ausbildungszahlen entgegen zu wirken“, sagte Schädlich. „Leider sind die derzeitigen Zahlen niederschmetternd.“ Bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen gebe es einen Rückgang um 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Kreativität und Attraktivität der Unternehmen seien gefragt, um hier noch eine Wende einleiten zu können. Mit sämtlichen Realschulen plus gibt es bereits Kooperationsvereinbarungen. Nun sollen weitere Gymnasien folgen. „Bleibt zu hoffen, dass nach und nach ein gesellschaftliches Umdenken stattfinden wird, und die duale Ausbildung gegebenenfalls einem Studium vorgezogen wird“, sagte Schädlich. 

Eine Gesundheits-App für die Mitarbeiter 

Jens Schug und Stefanie Stolz von der Firma Comotion Gesundheitsmanagement stellten bei der Vollversammlung ihre App für betriebliche Gesundheitsförderung vor. Damit könne jeder Mitarbeiter eines Betriebes zu den Themen Ernährung, Training und Entspannung individuell betreut werden – auch von einem Coach, der online berät. Die App werde auf die Betriebe zugeschnitten und kostet zwölf Euro pro Mitarbeiter und Monat. „Die Krankenkassen übernehmen die Kosten bis zur Hälfte“, sagte Schug, der auch Führungskräftetraining und Seminare zum Stress- und Ressourcenmanagement anbietet. Nutzung und Feedback der App von den Mitarbeitern werden anonym analysiert und den Betrieben präsentiert.

Heiner Behr vom Autohaus Werner aus Saarburg und seine Mitarbeiter benutzen die Comotion-App bereits seit einem Jahr. Behr sagte: „Ich habe das Gefühl, der Krankenstand ist seitdem geringer.“

Bärbel Schädlich sprach auch noch das Regensburger Modell an. Seit es 2017 eingeführt wurde, „konnte einiges bewegt werden“. Es kämen sehr viele Hinweise herein. Schädlich gratulierte auch Kreishandwerksmeister Gerd Benzmüller, der von Ministerpräsidentin Malu Dreyer die Ehrennadel des Landes für sein ehrenamtliches Engagement in der Kommunal- und Handwerkspolitik erhalten hat. 

Beim Prüfbericht 2018 gab es keine Beanstandungen. Der Wirtschaftsplan 2020 wurde einstimmig angenommen.


 

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