25.03.2019

"Alexa, buch einen Termin in der Werkstatt"

Eine Frau fährt in eine kleine Werkstatt, die ein Mechaniker abends nebenbei betreibt. Ihr Auto wird nicht richtig auf die Hebebühne gefahren und rutscht, oben angekommen, zwischen Hebebühne und Wand ab. Die Werkstatt will dafür keine Verantwortung übernehmen. Aussage des Betreibers: Die Kundin habe ja noch keinen Auftrag unterschrieben. Es ist eine Anekdote, die Helmut Görres auf der Jahreshauptversammlung der Kraftfahrzeug-Innung Trier-Saarburg am 8. März erzählt. Er ist Schlichter in der Schiedsstelle der Innung und vermittelt bei Streitigkeiten zwischen Werkstätten und Kunden.

Norbert Sudhoff und Thomas Brach, Lehrer für KFZ an der Berufsbildenden Schule für Gestaltung und Technik präsentierten ein Projekt, in dem Berufsschüler einen Verbrenner in ein Elektroauto umbauen. Dafür gewannen sie bereits im vergangenen Jahr den Nikolaus-Koch-Preis. „Die Schüler kamen auf uns zu“, sagt Brach. Da das Projekt nicht Teil des Lehrplans ist, setzen es Schüler und Lehrer in ihrer Freizeit um. Zuerst haben sie ein halbes Jahr lang Geld von Stiftungen gesammelt. 15.000 Euro kostet der Umbausatz für unter anderem den Elektromotor und die Batterie. 5000 Euro kostete der gebrauchte Audi A2. Im Sommer wollen sie fertig sein. Der Elektro-Wagen bleibt dann als Lehrobjekt in der Schule.

Innungs-Obermeister Alfons Behr und die Hauptgeschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Trier Saarburg Bärbel Schädlich führten durch den Abend, zu dem eine ganze Reihe von Fachvorträgen gehörten. Besonderen Raum nahm Hannes Brachat ein, Professor für Automobilwirtschaft. Er zeigte auf, wie die Digitalisierung die Automobilindustrie und Arbeitsprozesse in Werkstätten ändert. Technisch sei es jetzt schon möglich, dass man Alexa bitte, einen Termin in der Werkstatt zum Reifenwechseln zu vereinbaren, sagte Brachat. Die Werkstätten müssten dafür nur ihre Kapazitäten online abrufbar machen. Das könne so einige Telefonate ersparen. Digitalisierung ist mehr, als nur ein Smartphone zu haben. Brachat gab dafür ein Beispiel von Bosch. Dort habe man 750.000 Problemfälle analysiert und zu jedem Fall die Lösung. „Alle diese Fälle sind nun vernetzt. Wenn Du beim Bosch Car Service ein Problem hast, gibst Du das ein und hast in zehn Sekunden die Lösung.“

Auch auf das Elektroauto ging Brachat ein und zeigte Versäumnisse deutscher Hersteller auf. „Kein einziger deutscher Hersteller hat eine eigene Batterie. Alle Batterien kommen aus Südkorea, Japan oder China. Und jetzt bauen die Chinesen in Erfurt ein Batteriezentrum.“ Und dann seien da noch die elektrischen Stadtautos aus China. Zweisitzer für 12.000 Euro. Wenn man dann noch auf dem Dach zu Hause Solarpanele habe, könne man sogar den Strom für das Auto selber produzieren und speichern. Und die Nachfrage nach Autos sei ungebrochen, auch bei jungen Menschen. „Die Jugend macht nicht weniger Führerscheine als früher“, sagte Brachat. Es gebe nur weniger Nachwuchs.


 

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