25.02.2019

Viele Besucher kommen mit konkreten Projekten

Kurt-Heinz Petry nimmt einen Holzscheit und reibt etwas Spülmittel auf die Oberseite. Dann setzt er am unteren Ende mit dem Mund an und pustet. Die Luft geht durch das Holz hindurch. Auf der anderen Seite bildet sich aus dem Spülmittel Schaum. „Das Holz ist trocken“, sagt der Bezirksschornsteinfegermeister. Es ist bereit für den Ofen. Ein anderer Holzscheit ist es nicht. 430 Gramm Wasser zeigt das Messgerät an – von 1,5 Kilo Holz. „Der wurde erst gestern geschlagen“, sagt Petry. Der müsse erst noch trocknen. „Wir beantworten alle Fragen der Besucher“, sagt Innungsobermeister Klaus Kwiatkowski, der gemeinsam mit 140 regionalen Ausstellern sein Handwerk auf der Öko-Messe präsentiert hat. Weitaus mehr als 10.000 Besucher fanden vom 15. bis 17. Februar ihren Weg in die von der Handwerkskammer Trier ausgerichteten Messe.

Dass die Öko Nachhaltigkeit im Namen stehen hat, ist kein Zufall. Dieses Jahr war es das dominierende Thema bei den Eröffnungsreden. „Etwa ein Drittel der gesamten Co2-Emissionen in Deutschland entfallen auf den Gebäudebereich“, schrieb die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken bereits im Vorfeld der Messe. Vor Ort wurde sie von Dirk Gust vertreten, stellvertretender Leiter der Energieabteilung des Ministeriums. „Auf internationaler und nationaler Ebene stagniert der Klimaschutz, doch Trier sei ein Vorreiter“, sagte Gust. Höfken schreibt: „Der Gebäudesektor könne einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“ „Ökonomie und Ökologie schließen sich nicht aus“, sagt Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe.

In der Halle nebenan begutachtet Pasquale Buccio eine Stuckrosette. Die hing einmal an der Decke einer Villa. Nun soll sie ersetzt werden. Ein Lehrling ist gerade dabei, kaputte Stellen mit Gips auszubessern. „Anschließend machen wir mit Kautschuk ein Negativ davon und können so mit Gießgips eine Nachbildung anfertigen“, sagt Buccio. Der Obermeister hat auf der Öko einen großen Stand für die Stuckateurs-Innung. „Wir bereiten uns das ganze Jahr auf diese Messe vor“, sagt der Italiener. Er möchte den Nachwuchs - und deren Eltern - neugierig auf sein Handwerk machen. Interessierte können selber Hand anlegen und versuchen, aus einer Gipskarton-Vorlage einen Würfel zu bauen. Und wer nachfragt, darf auch einmal das Verputzen einer Wand üben.

Ein paar Stände weiter meißtelt Lehrling Philipp Leisen den Schriftzug „Öko 2019“ in einen Udelfanger Sandstein. Er repräsentiert ein altes Handwerk: die Steinmetzerei. Neben ihm steht eine 600 Jahre alte Säule. „Die wird gereinigt und restauriert“, sagt Steinmetz-Innungsobermeister Johann-Peter Mulbach. Es ist dieser Spagat zwischen Gegenwart und Antike, die sein Handwerk auszeichnet. Auf der einen Seite fertigen sie moderne Arbeitsplatten, Duschanlagen oder Teppen aus Stein, auf der anderen Seite erhalten sie Stücke der Zeitgeschichte. Das Handwerk entwickelt sich immer weiter. Das wird auch in einem Vortrag über die Digitalisierung im Handwerk von Jeanette Spanier deutlich. Die Gerüstbaumeisterin und Geschäftsführerin hat bereits zwei Startups gegründet: eines (Scaffeye) für die digitale Verwaltung von Gerüsten und ein anderes (Moselcopter) für die Aufnahme, Vermessung und 3D-Visualisierung von Räumen und Gebäuden.

Für Horst Langen, Innungsobermeister der Anlagemechaniker für Sanitär, Heizung und Klima ist die Öko die wichtigste Verbrauchermesse in Rheinland-Pfalz: „Es gibt ganz viele Besucher, die mit dem Plan von einem Architekten herkommen oder ein konkretes Projekt haben und fragen, ob wir das umsetzen können.“ Mit acht Betrieben und 14 Industriepartnern ist die Innung hier vertreten. Durch die Messe ergäben sich viele Aufträge, sagt Langen. So viele, dass die Kunden oft warten müssten. Denn das Handwerk ist unterbesetzt. Handwerkskammer Präsident Rudi Müller sagt auf der Öko: „Betriebe suchen händeringend nach Lehrlingen, Gesellen, Meistern und Nachfolgern.“

Die Maler- und Lackierer-Innung ist nicht in der Halle vertreten, sondern in einem Truck des Lack- und Farbenherstellers Brillux draußen. Dort zeigt Obermeister Michael Eschle wie man seinem Haus eine Schutzweste verpassen kann. Hausfassaden können durch Hagelschlag stark beschädigt werden. Das wird durch eine kinderhandgroße Metallkugel demonstriert, die in einem Glaskasten aus einer Höhe von einem Meter auf eine Hausputzfläche fällt. Mit einem Knall schlägt die Kugel auf, doch nicht ein Kratzer ist zu sehen. „Das ist ein organischer Kunstharzputz“, sagt Eschle. Er sei flexibel und absorbiere die Kraft der Kugel, oder eben des Hagels.

Daneben stehen zwei beleuchtete Modellhäuser, eines ist schlecht isoliert, eines gut. Dennis Berg von der Firma Brillux nimmt eine Wärmebildkamera in die Hand und richtet sie auf das eine Haus. Auf einem Monitor sieht man, dass die Hauswände gelb-orange leuchten, also viel Wärme abgeben. Beim anderen Haus sind die Wände blau-violett, also kalt. „Bei schlecht isolierten Häusern geht nicht nur Wärme durch die Fenster und Türen verloren, sondern auch durch die Wände selbst“, so Berg. Eine gute Dämmung wird auch durch den richtigen Außenputz erreicht. Ministeriumsmann Gust sagt, rund 167.000 Wohngebäude in der Region Trier seien vor der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 gebaut worden. „Hier gibt es einiges zu tun.“


 

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