22.02.2019

Ausbildung statt Sabbatical

„Viele wissen nach dem Abitur nicht, was sie machen wollen. Manche verreisen erst einmal oder machen ein Sabbatical“, sagt Olaf Fackler. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg spricht an einem Montagmorgen Anfang Februar vor Schülern der zwölften Klasse des Auguste-Viktoria-Gymnasiums in Trier. „Doch in nur 18 Monaten könnt ihr bereits eine Ausbildung abschließen“, sagt Fackler. Er wirbt dafür, dass mehr Abiturienten diesen Weg gehen.
Mit Abitur oder Fachhochschulreife könne man direkt im zweiten Lehrjahr einsteigen und durch gute Leistungen die Ausbildung noch einmal um ein halbes Jahr reduzieren, sagt Fackler. Am Ende hat man statt nach drei Jahren nach nur 18 Monaten eine abgeschlossene Berufsausbildung. „Dann hat man etwas in der Tasche.“ In etlichen Studienfächern könne man von dieser Praxiserfahrung profitieren und darauf aufbauen – ein Vorteil gegenüber Kommilitonen. Ganz zu schweigen davon, dass viele Universitäten mehrmonatige Praktika vor einem Studienantritt voraussetzen. Eine passende Ausbildung ersetzt das natürlich.

Mitgebracht hat Fackler an dem Montag drei Handwerksbetriebe, die an zwei Tagen 80 Schülern in kleinen Gruppen einen Einblick in ihre Profession geben: Schornsteinfeger, Elektrotechniker und KFZ-Mechatroniker. Mit dabei sind auch Mitarbeiter der Hochschule sowie der Universität Trier, die über Studienberufe sprechen, Mitarbeiter der Agentur für Arbeit sowie Mitarbeiter von der AOK, die mit Schülern ein Assessmentcenter durchspielen. Koordiniert hat das der Lehrer Christoph Kiefer. Er möchte das Bewusstsein dafür stärken, dass ein Studium „kein Muss“ ist und eine Ausbildung auch eine Option für Abiturienten sein kann. Studieren könne dann immer noch jeder. „Die Durchlässigkeit ist heute sehr hoch“, so Kiefer.

Bei der Firma Elektro Bloeck hätten sie gerade einen Gesellen ausgebildet, der seine Ausbildung ein Jahr schneller abgeschlossen hat als regulär, sagt Elektrotechnikermeister Simon Terres. Die Firma beschäftigt 120 Mitarbeiter, die unter anderem einen Schwerpunkt auf Medizintechnik hat. „Jeder, der bei uns die Gesellenprüfung besteht, bekommt ein Jobangebot.“ Gemeinsam mit seinem Meisterkollegen Pascal Blasius-Didier hat Terres in einem Klassenraum eine Anlage für die Schüler aufgebaut. Die Schülerin Coletta ist gerade dabei, die Isolierung von einem Kabelende zu entfernen, um einen Schalter anzuschließen. Dann kann sie ein Miniaturfließband, das vorne aufgebaut ist, starten. Coletta findet es „super und anschaulicher, wenn man selber etwas Praktisches machen kann“. „Die Schüler stellen sich sehr gut an. Ich bin begeistert“, sagt Terres.


Unten auf dem Schulhof erklärt derweil Max Ferring, Mechatroniker-Meister von Albert Buschmann, Schülern, wie man einen Fehlerspeicher eines Autos ausliest. Dann vergleicht er kleine freie Werkstätten („man lernt mehr kennen“) mit großen Vertragswerkstätten („man bekommt tiefer Einblick in eine Marke“). „Es steckt doch mehr dahinter als man denkt, zum Beispiel die Möglichkeiten, sich weiterzubilden“, sagt ein Schüler, der auch Max heißt, hinterher.


Unterschätzt haben die Schüler vermutlich auch das Einkommen eines Schornsteinfegers. Kai Stürmer, Schornsteinfegermeister und Bezirksbevollmächtigter, sagt, seine Frau, die Lehrerin sei, komme an sein Gehalt nicht heran. Sein Meisterkollege Sven Gerhard beziffert das Nettogehalt eines Meisters auf 2500 bis 2600 Euro. Dafür müsse man dann aber auch mit Kehrleine und Stoßbesen 25 Häusern am Tag einen Besuch abstatten. Im Klassenraum schiebt Schüler Justus unterdessen eine Haspel (ein Besen an einer Art recht steifem Kabel) in ein Edelstahlschornsteinrohr. Schornsteinfeger-Lehrling Yannik Gessinger zeigt ihm, wie es am besten geht.Danach können die Schüler einmal die Kluft der Schornsteinfeger anziehen. Mit der Jacke mit den goldenen Knöpfen, dem weißen Halstuch und dem Zylinder komme man in einer Fußgängerzone nicht weit, bevor man neugierig angesprochen werde, sagt Stürmer.


 

Ausschreibungen der Stadt Trier