22.11.2018

"Auf Handwerker aus der Region können wir uns verlassen"

„Bei uns zählt nicht, wo man her kommt, sondern wo man hin will. Das Handwerk steht für ein weltoffenes Deutschland“, sagte Gerd Benzmüller vergangenen Donnerstag beim Jahresempfang der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg vor rund 120 Gästen. Der Kreishandwerksmeister begrüßt das im Oktober von der Bundesregierung beschlossene Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Es fehlen Fachkräfte in Deutschland. Deren Zahl nimmt ab, ebenso wie die der Handwerksunternehmen, obwohl es einen Auftragsboom gibt. Der Nachwuchs fehlt. Haben vor zehn Jahren noch 483.000 Auszubildende eine Lehre im Handwerk angefangen, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 365.000. Dass die EU in verschiedenen Handwerksberufen die Meisterpflicht abgeschafft hat, verbessert die Situation auch nicht. Die Hauptgeschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Bärbel Schädlich sagt: „2000 unbesetzte Ausbildungsstellen und 1600 fehlende Fachkräfte in der Region sind eine alarmierende Zahl.“

Es gibt aber laut Benzmüller eine Stellschraube, „an der wir selbst drehen können“. Die Innungen und Meisterbetriebe haben verstanden, dass sie selber aktiv werden müssen, um Nachwuchs zu gewinnen. Sie gehen in Schulen und erzählen über ihre Arbeit, richten Berufsinfomessen aus, geben Praxisworkshops, laden zu Betriebsbesichtigungen ein und übernehmen Schulpatenschaften. „Ein Imageproblem hat das Handwerk nicht“, sagt Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe. „Auf Ingenieure und Handwerker aus der Region können wir uns verlassen.“

In Krisen einen Schritt zurück gehen

Als Gastredner war der ehemalige Fifa- und Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati eingeladen. Er sprach über Stressmanagement und Strategien gegen Burnout. Rafati drohte 2011 seinen Job als Schiedsrichter zu verlieren, nachdem er mehrere Fehlentscheidungen auf dem Platz getroffen hatte. Er sah seine berufliche Existenz zerbrechen und versuchte, sich das Leben zu nehmen. Mobbing, Leistungsdruck, Selbstvorwürfe und zerrüttete Vertrauensverhältnisse zu Vorgesetzten: Rafatis Erlebnisse sind eine Geschichte darüber, was alles im Job und im Leben schiefgehen kann. Heute erzählt er darüber, um Menschen zu zeigen, dass man schlimme Episoden überwinden und ihnen vorbeugen kann.

„Ich bin respektlos mit mir selbst umgegangen“, sagt Rafati. Man dürfe sich nicht abhängig machen vom Verhalten anderer und was diese über einen denken. Es helfe auch nicht, sich mit anderen zu vergleichen. Vor allem im Job, denn gerade Männer definierten sich stark über ihren Beruf und glaubten oft, sie seien nur etwas wert, wenn sie etwas leisteten. Dazu kommen männliche Ideale, wie nicht aufgeben zu wollen oder zu versuchen, immer stark zu sein. „Wenn sie versagen, dann fallen sie besonders tief.“

Rafati rät dazu, wenn man in Krisen die Orientierung verliert, einen Schritt zurück zu gehen. Versuchen, rational statt emotional zu denken. Was würde man einem Freund raten, wenn er in der Lage wäre? Gedankenmanagement sei wichtig, um sich nicht in Dinge hineinzusteigern und zu akzeptieren, was man nicht ändern kann. „Wir können den Wind nicht drehen, wir können nur das Segel anders setzen“, zitiert Rafati Aristoteles.


Am Ende des Abends verliehen Bärbel Schädlich und Gerd Benzmüller Goldene Ehrennadeln für jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit im Handwerk - beispielsweise für die Arbeit in einem Prüfungsausschuss. Die Auszeichnungen erhielten Friseurmeister Günter Duhr, Friseurmeisterin Sylvia Kemmer, Glasermeister Gerd Haupenthal, Metallbaumeister Horst Tombers, Malermeister Gangolf Sehr und Schreinermeister Stefan Zock.


 

Ausschreibungen der Stadt Trier