22.11.2018

"Es gibt falsche Vorstellungen von Handwerksberufen"

Auf den ersten Blick klingt die Zahl gut. 853 Lehrlinge haben dieses Jahr in der Region ihre Zwischen- oder Gesellenprüfung bestanden. Aber es waren auch 54 bestandene Prüfungen weniger als 2017. Deswegen sieht Bärbel Schädlich, Hauptgeschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg, die primäre Aufgabe in der Akquise von qualifiziertem Handwerksnachwuchs. „2000 unbesetzte Ausbildungsstellen und 1600 fehlende Fachkräfte sind eine alarmierende Zahl“, sagte Schädlich auf der Herbst-Vollversammlung am 15. November in Trier. Es seien aber viele Anstrengungen in der Region unternommen worden, um dem entgegenzuwirken.

So nahmen Handwerksmeister aus unterschiedlichen Gewerken an zahlreichen Berufsinfomessen und Workshops in Schulen teil und und konnten Schüler für Handwerksberufe begeistern. Die größte Berufsinfomesse, welche die Kreishandwerkerschaft derzeit mitgestaltet, ist in Schweich. Hier beteiligen sich fünf Realschulen und drei Gymnasien mit über 1000 Schülern. Olaf Fackler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft sagt, bei der ersten Berufsinfomesse vor sieben Jahren waren 15 Betriebe dabei, dieses Jahr seien es über 80 gewesen. „Die Auftragsbücher sind zwar voll, aber wenn ich heute nicht in die Ausbildung investiere, fehlen mir die Fachkräfte von morgen.“

Solche Messen oder auch Betriebsbesichtigungen und Tage der Berufs- und Studienorientierung an Schulen seien eine gute Gelegenheit, Schüler auf Praktika hinzuweisen und um Einblicke in Berufe zu geben. „Denn sowohl bei Schülern als auch bei Lehrern gibt es falsche Vorstellungen von Berufen“, sagt Fackler. Bei solchen Veranstaltungen müsse auch nicht immer der Inhaber oder ein Meister vor Ort sein. Ein Mitarbeiter mit Herzblut und ein Azubi reichten aus. Die Geschäftsführer dankten auch Triers ehemaligem Oberbürgermeister Helmut Schröer, der die Kreishandwerkerschaft bei den Schulkooperationen unterstützt.

Kreishandwerksmeister Gerd Benzmüller sagte: „Wir können den Nachwuchs nur in der Region finden.“ Jeder Betrieb müsse sich dafür in seinem Schulbezirk engagieren. „Wir müssen frühzeitig auf Eltern, Lehrer und Kinder eingehen.“ Bis hin zu Malwettbewerben in Kindergärten, um Handwerksberufe spielerisch darzustellen. Fackler zitierte zum Abschluss noch einen Lehrer, der ihm sagte: „Unsere Türen stehen für euch Handwerker immer offen, aber ihr müsst die Chance nutzen.“

Wenn Lehrlinge gefunden sind, gilt es diese zu halten. Die Ausbildungsqualität müsse optimiert werden, so Schädlich. Sie kritisierte Überstunden ohne Ausgleich, untertarifliche Bezahlung oder dass in manchen Betrieben Lehrlinge Fahrtkosten zur überbetrieblichen Ausbildung selbst zahlen müssten. „Wir können nicht für attraktive Handwerksberufe werben, wenn Rahmenbedingungen bei diversen Ausbildungsbetrieben nicht vorhanden sind“, sagte Schädlich. Bei der Vollversammlung wurden zudem zwei Leitfäden verteilt: einer um einen erfolgreichen Tag der Berufs- und Studienorientierung an Schulen durchzuführen und einer mit Tipps, wie man Praktikanten an sein Unternehmen bindet.

2018 gewann die Kreishandwerkerschaft 25 Neumitglieder, 13 Betriebe kündigten, neun gaben den Betrieb auf. Jens Paas von der Firma Facilioo stellte eine neue App vor, welche die Kreishandwerkerschaft erworben hat, um die digitale Kommunikation mit den Innungen zu verbessern.


 

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