06.11.2018

Richtfest auf Leonardos Brücke

Schweich – Auch schwierigste Situationen im Leben lassen sich „Mit Herz und Hand“ meistern – diese Kernaussage vermittelt Richard Betz in seinem gleichnamigen Ein-Mann-Theaterstück. Wie der Titelheld seiner Geschichte hat Betz seine Erfüllung im Handwerk des Zimmerers gefunden. Auf seiner Tour durch Deutschland möchte er Jugendliche ermutigen, bei der Berufswahl auch Wege zu testen, die von anderen vielleicht als abwegig betrachtet werden. Jüngst ist Betz mit seinem Theaterstück in der Region Trier zu Gast gewesen, unter anderem hat er auf Einladung der „Stefan-Andres Realschule plus“ in Schweich, der „Nelson-Mandela Realschule plus“ in Trier und der „Realschule plus Konz“ gespielt. Als Gastgeber-Partner fungierte die Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg. Alleine bei der Aufführung im Bürgerzentrum Schweich waren insgesamt knapp 150 Schüler mehrerer Schulen aus Schweich und Waldrach im Publikum.
Die Geschichte, die „Mit Herz und Hand“ erzählt, basiert in weiten Teilen auf realen Erfahrungen im Leben von Richard Betz. Wie der Zimmermann im Stück ist auch er ein Spätberufener, der zunächst den Berufsweg über ein Studium ging und erst anschließend den Wert von Arbeit mit der Hand bemerkte. Dass die Gesellschaft diesen Karrieren unterschiedliche Wertigkeiten zuteile, sei ein schwerer Fehler. „Es kommt darauf an, etwas zu finden, das einem Spaß macht“; riet er den Schülerinnen und Schülern für die Berufssuche. Die Freuden des Zimmerer-Handwerks demonstrierte der Praxiserfahrene live auf der Bühne: Mit Kettensäge und Spezialbohrer wurden Holzlatten in Form gebracht. Am Ende entstand daraus als Steckkonstruktion eine Brücke, wie sie schon der berühmte Renaissance-Erfinder Leonardo da Vinci entworfen hatte. Der erfolgreiche Begehungstest mit einer Freiwilligen aus dem Publikum demonstrierte die Standfestigkeit des Miniatur-Holz-Bauwerks. Von der Spitze des Brückenbogens aus feierte Betz anschließend noch ein Richtfest in bester Zimmerer-Tradition.
Zwei Quellen hatten vor einigen Jahren den Handwerksmeister zu dieser ungewöhnlichen Art der Berufspräsentation inspiriert. „In meinem Betrieb habe ich bereits 20 junge Leute ausgebildet. Da kamen einige Erfahrungen zusammen“, erzählte Betz. Ein Schlüsselerlebnis sei außerdem der Besuch einer Jubiläumsfeier „200 Jahre Grimms Märchen“ in seiner Heimatstadt Kassel gewesen. Da habe er sich gedacht: „Hans im Glück könntest du doch eigentlich aus eigener Perspektive erzählen.“ Gemeinsam mit einer Theater-Regisseurin entstand daraus das Bühnenstück. Anfangs hätten die Schulen mit einer gewissen Skepsis auf das Konzept reagiert, doch der Erfolg bei Schülern gab der Sache Recht. Deutschlandweit ist Betz inzwischen auf Tour und greift damit eine weitere Tradition des Zimmerer-Handwerks auf: die Walz. Wie auch bei dieser Wanderschaft als Teil der Berufsausbildung üblich, führt Betz ein Wanderbuch. In dem werden die Erlebnisse rund um die Aufführungen in verschiedenen Regionen festgehalten. Für die Schülerinnen und Schüler in Schweich gab’s zum Abschluss noch ein eigenes Wanderbuch, verbunden mit der Aufforderung: Eigene Wege gehen und Erfahrungen sammeln.


 

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