31.07.2017

Heizölverbraucheranlagen: Bundesweite Verordnung ab 1. August

Ohne Zertifizierung keine Arbeiten an Öltanks mehr: Vom 1. August 2017 an dürfen nur noch zertifizierte Fachbetriebe an Heizöltankanlagen mit einem Volumen von mehr als 1.000 Liter arbeiten. Das besagt die neue bundeseinheitliche Anlagenverordnung zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen.

Zum Thema finden zwei Fachreferate statt:

(1)Donnerstag, 14.09.2018, 09:00 bis 11:00 Uhr in Prüm
Tagungsraum Kreishandwerkerschaft MEHR - Konvikt - Haus der Kultur, Kalvarienbergstraße 1 in Prüm
Referent: Udo Baum (AFRISO)
Veranstalter: Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik-Innung Westeifel

(2) Donnerstag, 14.09.2018, 17:30 bis 19:30 Uhr in Wittlich
Tagungsraum Kreishandwerkerschaft MEHR - Haus des Handwerks, Händelstraße 59 in Wittlich
Referent: Christoph Gelhard (Landesstellenleiter und techn. Referent der ÜWG Landesstelle Rheinland / Rheinhessen

Anmeldungen kurfristig unter 06551 9602-15, Ansprechpartnerin: Irmgard Busc

 

Heizöl ist ein wassergefährdender Stoff. Bei der Einstufung in die drei Wassergefährdungsklassen (WGK 1-3) erhält es einen mittleren Rang. Damit sind die Anlagen, die damit betrieben werden eine potenzielle Gefahr für unser Wasser, wenn nicht richtig mit ihnen umgegangen wird.

Logischerweise gilt auch: Je größer die gelagerte Menge an Heizöl, umso höher ist das Gefährdungspotenzial der Anlage. Dieser Problematik hat sich nun auch der Gesetzgeber angenommen und für einen besseren Wasserschutz eine neue bundesweite Verordnung bezogen auf die Heizölverbraucheranlagen beschlossen. So dürfen ab dem 1. August 2017 nur noch zertifizierte Fachbetriebe an Heizöltankanlagen mit einem Volumen von mehr als 1.000 Liter arbeiten.
 
Das trifft auch einerseits die meisten Anlagen, da schon private Heizölverbraucheranlagen in der Regel zwischen 1.000 Liter und 20.000 Liter fassen. Andererseits trifft die Verpflichtung zur Zertifizierung viele Handwerksbetriebe in verschiedenen Gewerken wie Sanitär-, Heizungs- und Klimabetriebe, Maler und Lackierer und Tankreiniger.

Die neue bundesweite Anlagenverordnung (konkret: Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen – AwSV) ersetzt die bisherigen Landesbestimmungen. Fachbetrieb ist demnach, wer berechtigt ist, das Gütezeichen einer anerkannten Güte- und Überwachungsgemeinschaft zu führen sowie über die erforderlichen Gerätschaften und über sachkundiges Personal verfügt.

Das galt bislang nur in einigen Bundesländern; andere schrieben die Pflicht, dass nur ein Fachbetrieb die Arbeiten durchführen darf dagegen erst einer Anlagengröße von 10.000 Liter vor. Künftig gibt es nur noch eine einheitliche Regelung.

Nach dem 1. August 2017 dürfen die Arbeiten an Heizölverbraucheranlagen nur noch durchgeführt werden, wenn das Zertifikat vorliegt. Zur Heizöltankanlage zählen dabei der Tank selbst, die Füll- und Entnahmeleitungen sowie die Lüftungsleitung. Die Vorgaben gelten grundsätzlich für alle unterirdischen Heizölverbraucheranlagen sowie für alle oberirdischen Heizölverbraucheranlagen, die mehr als 1.000 Liter Heizöl fassen.

 Das Zertifizierungsverfahren besteht aus zwei Etappen.  Erstens muss ein technisch verantwortlicher Mitarbeiter (Meister oder Dipl.-Ing.) des Betriebes an einer Schulung teilnehmen und eine Prüfung ablegen. Der Betrieb wird zweitens Mitglied einer Überwachungsgemeinschaft. Die Zertifizierung muss alle zwei Jahre erneuert werden.

"Zwar ist anzunehmen, dass einzelne Betriebe bereits eine derartige Zertifizierung durchlaufen haben", sagt Claudia Joerg von der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, denn die Regelung gilt bereits seit einiger Zeit für die Heizölverbrauchsanlagen in Wasserschutzgebieten. Ein Großteil derjenigen, die künftig an den Anlagen arbeiten möchte, muss die Weiterbildung nun jedoch nachholen.

Entsprechende Schulungsangebote haben sowohl  Dekra und TÜV als auch die ÜWG  im Programm. Da sie sich im inhaltlichen Umfang stark unterscheiden, dauern sie jeweils auch unterschiedlich lang – zwischen einem und mehreren Tagen. "Es gibt Betriebe, die bereits zertifizierte Fachbetriebe sind und nun nur eine vergleichsweise kurze Fortbildung brauchen. Andere benötigen dagegen eine umfassende Schulung, weil sie ein Zertifikat für mehrere Einsatzgebiete benötigen", sagt Frank Lützenkirchen von der Überwachungsgemeinschaft Technische Anlagen der SHK-Handwerke (ÜWG), die sich unter anderem um genau diese Fortbildungen kümmert. Mit Einsatzgebieten meint Lützenkirchen, dass jede der Fortbildungen die Heizöltankanlagen in Privathaushalten mit einbeziehen; einige davon aber eben auch darüber hinausgehen und beispielsweise die Anlagen an Tankstellen oder bei Industrieunternehmen betreffen. Deshalb sollte man sich im Vorfeld genau über die Inhalte der Schulung informieren.
Vorsicht Ordnungswidrigkeit

Die ÜWG rät Betrieben, die mit fachbetriebspflichtigen Arbeiten beauftragt sind, dem Anlagenbetreiber seine Fachbetriebseigenschaft unaufgefordert nachzuweisen. Damit haben beide Seiten eine rechtliche Sicherheit. Denn Betriebe, die Heizölverbrauchsanlage errichten, reinigen, instand setzen oder stilllegen und das ohne entsprechende Zertifizierung tun, müssen mit einem Bußgeld bis zu 50.000 Euro rechnen. Sie begehen eine Ordnungswidrig und es gilt § 103 Abs. 2 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG).

"Im Vordergrund steht der Gewässerschutz – schließlich geht es letzten Endes um unser aller Trinkwasser", sagt Lützenkirchen. Er weist jedoch auch darauf hin, dass dieser auch ohne bundeseinheitliche Regelung schon vorher bestand; nur eben auf Landesebene geregelt war. Doch unterm Strich dient die neue bundesweit einheitliche Anlagenverordnung AwSV auch der Verbesserung der Anlagensicherheit und erhöht nicht zuletzt durch klare Anforderungen auch die Handlungssicherheit für das Fachhandwerk und die Anlagenbetreiber.

Weitere Informationen zum Thema gibt die ÜWG unter uewg-shk.de.  (jtw/fm)

Informationen auch beim Landesverband oder Zentralverband SHK.


Quelle: Deutsche Handwerkszeitung